Tempel-Tour durch Goa - Bunt und fröhlich

Indien hat eine große Vielfalt an Religionen zu bieten. Zwar sind rund 80 Prozent der Inder Hindus, doch auch der Buddhismus (circa ein Prozent), das Christentum (circa zwei Prozent) und der Islam (knapp 14 Prozent) sind dort vertreten. Für Touristen ist allerdings der Hinduismus am meisten präsent. Selbst in Goa, wo im Vergleich zum ganzen Land die Glaubensrichtungen noch breiter gefächert sind, fallen vor allem hinduistische Tempel auf. In Goa sind nur etwa 65 Prozent der Einwohner Hinduisten, rund 25 Prozent sind Christen und circa sieben Prozent der Menschen sind Muslime.

Gedenkstätten

Wer in Goa zu Fuß unterwegs ist (und sei es nur auf dem Weg vom Hotel zum Supermarkt) begegnet immer wieder kleinen hinduistischen Gedenkstätten. Am ehesten vergleichbar sind diese wohl mit Kreuzen oder kleinen Kapellen, wie man sie in Deutschland vor allem in ländlichen Gebieten sieht. Selbst Urlauber, die mit Religion eher weniger anfangen können, finden Gefallen an den bunten, mit Blumen geschmückten Orten. Gerade auf westliche Touristen, die sich mit dem religiösen Hintergrund nicht unbedingt auseinandergesetzt haben, wirken diese Gedenkstätten freundlich und fröhlich.

Tempel-Tour

Wer mehr sehen will, unternimmt eine Tempel-Tour und schaut sich einige der zahlreichen Tempel in Goa genauer an. Meist ist solch eine Tour ganz spontan möglich. Vor allem in der Nebensaison, wenn nur sehr wenige Touristen unterwegs sind, kann man einem aufgestellten Werbeschild folgen oder einen Taxifahrer ansprechen. Die Inder sind in der Regel sehr gut vernetzt und irgendjemand kennt immer einen Fahrer, der die Touristen für wenig Geld von Tempel zu Tempel fährt.

Kosten und Ablauf

Bei solch einer privaten Tour guckt man sich - je nach Absprache - etwa vier bis fünf Tempel an und ist dann ungefähr einen halben Tag unterwegs. Die Fahrer sind da aber recht flexibel und fragen zwischendurch immer wieder nach, ob man noch einen weiteren Tempel sehen möchte. Wer sich vorab nicht informiert hat, welche Tempel in der jeweiligen Gegend am sehenswertesten sind, kann einfach dem Taxifahrer vertrauen. Er kennt sich aus und weiß was die Touristen sehen wollen. Normalerweise wird vor Beginn der Tour ein Festpreis vereinbart, den man dem Fahrer nach oder auch vor dem Ausflug zahlt. Die Preise sind - wie in Indien üblich - Verhandlungssache. Doch wie bei den meisten Dingen kann man sich leicht einigen, da der Preis den westlichen Reisenden immer noch günstig erscheint, selbst wenn der Inder das Gefühl hat, ein sehr gutes Geschäft gemacht zu haben.

Kunst und Kitsch

Die einzelnen Tempel sind wunderschön anzusehen. Von außen wirken sie wie exotische Zuckerbäcker-Schlösser, von innen sind sie bunt und erinnern an den typischen Bollywood-Kitsch. Im Tempel und um ihn herum herrscht meist viel Betrieb. Wer eine ruhige, meditative Stimmung erwartet, wird eines Besseren belehrt. Vor den Tempeln ist oft eine Art Markt aufgebaut, wo unter anderem Devotionalien wie zum Beispiel bestimmte Blumen erworben werden können. Auch Lebensmittel werden dort angeboten, und immer wieder wird man von westlichen Werbeplakaten überrascht. Große Limonadenhersteller und Mobilfunkunternehmen werben in Goa sowieso gefühlt alle drei Meter, und auch vor religiösen Orten machen sie nicht halt.

Der Tour-Guide

Als Tourist fällt man natürlich sofort auf. Oft kommt dann junger Mann daher, der sich als Tour-Guide vorstellt und die Besucher durch den Tempel führen will. Dieses Angebot kann man ruhig annehmen. Nicht unbedingt bei jedem einzelnen Tempel, da der jeweilige Guide nach drei besuchten Tempeln kaum noch etwas Neues zeigen kann, aber eine oder zwei Führungen lohnen sich schon.

Er führt die Touristen durch das Gotteshaus und erklärt, was dort geschieht und was zu sehen ist. In der Regel darf man im Tempel nicht fotografieren, aber der Guide wird den Urlaubern sagen, dass man es nun doch darf - jetzt da er dabei ist. Am Besten macht man sich keine weiteren Gedanken darüber und nutzt die Gelegenheit für ein paar schöne Erinnerungsfotos. Er fordert die Urlauber auch dazu auf, an kleinen religiösen Ritualen teilzunehmen. Zum Beispiel bekommt man eine Blüte überreicht und wird gesegnet.

Kulturschock

Für unerfahrene Europäer ist das alles nur schwer einzuordnen, und der kritische Besucher hat dabei oftmals das Gefühl, dass alles nur eine "Show" für Touristen ist. Wer aber den Tag genießen will, sollte einfach mitmachen und es nicht zu sehr hinterfragen. Die Tempel sind, vor allem im Vergleich zu christlichen Kirchen, meist sehr klein und die Führung dauert nicht lang. Nach 20 bis 30 Minuten ist man wieder draußen und der Guide wird ein Trinkgeld verlangen. Vorher war oft nicht vereinbart, dass man ihn bezahlen muss, aber im Grunde war es schließlich zu erwarten. Zudem ist für westliche Verhältnisse in Indien alles so günstig, dass man dem Guide einfach umgerechnet ein bis zwei Euro geben kann. Damit wird er mehr als zufrieden sein.

Nebeneinnahmen der Taxifahrer

Am Ende der Tour fragt der Fahrer eventuell, ob man sich noch ein Geschäft ansehen möchte. Dieses Geschäft gehört, laut dem Taxifahrer, meist einem Freund oder Verwandten. In Wirklichkeit hat er wohl mit dem Inhaber eine Vereinbarung, Touristen dorthin zu bringen, damit sie etwas kaufen und er bekommt dafür eine Provision.

Die Ware

Meist sind das recht exklusive Geschäfte, die zum Beispiel Teppiche oder andere Dekorationsartikel anbieten. Die Ware wirkt hochwertig und mag das vielleicht auch sein. Im Gegensatz zu vielen anderen indischen Geschäften wird der Kunde hier nicht "bedrängt", beziehungsweise zum Kauf aufgefordert. Er kann sich die angebotenen Dinge in Ruhe anschauen, sich eventuell beraten lassen und dann den Laden ohne Probleme wieder verlassen, damit der Taxifahrer ihn nach Hause bringt.

Hohe Preise

Wer möchte, kann selbstverständlich auch etwas kaufen. Allerdings sind die Preise deutlich höher, als in den kleineren Geschäften, die man fast an jeder Ecke findet. Ob die Ware den höheren Preis wirklich wert ist, kann der ungeübte Urlauber vor Ort nur schwer feststellen.